Outsourcing von Energie in der Intralogistik

Outsourcing in der Intralogistik

Outsourcing ist ein Thema, welches Unternehmen aller Branchen beschäftigt. Kosten reduzieren, Beständigkeit schaffen, Innovativ bleiben, keine Investitionen. Diese teils konkurrierenden Ziele sollen dabei in Einklang gebracht und möglichst schnell umgesetzt werden. Gleichzeitig soll Expertenwissen genutzt werden, alles reibungslos laufen und bloß keine Fehler auftreten! Diese Aufgabe lässt sich im Bereich Humankapital oder IT-Ressourcen relativ einfach und flexibel durch Zeitarbeit und Dienstleister bewerkstelligen. Doch lässt sich die Frage nach Outsourcing von Betriebsmitteln schwieriger beantworten. Kann man das Phänomen Outsourcing überhaupt in der Intralogistik anwenden?


Auslagerung von Leistungen

Sehen wir uns zunächst die Definition von „Outsourcing“ einmal genauer an. Der Begriff leitet sich von Ressourcing und Outside ab. Im Duden wird es als „Auslagerung von bisher in einem Unternehmen selbst erbrachten Leistungen an externe Auftragnehmer oder Dienstleister“ definiert, vorrangigstes Ziel ist die Kostenreduktion. Ein weiterer Begriff, das „Contracing“ – aus dem englischen „contract“ für Vertrag - bezeichnet „eine Kooperationsform mittels eines Vertrags […und bezieht sich] auf die Bereitstellung bzw. Lieferung von Betriebsstoffen“.

In der DIN Norm 8930-5 werden neben den vier Arten des Energie-Contracting (Energieliefer-, Einspar-, Finanzierungscontracting und Technisches Anlagenmanagement) die Begriffe der beiden Vertragsparteien aufgeführt:
Contractor: „Unternehmen, das eigenständig gewerblich Contractingprojekte durchführt“
Contractingnehmer: „Auftraggeber von Contractingleistungen


Doch warum eigentlich Outsourcen?

Die 4 wichtigsten Gründe, um überhaupt Outsourcing in der Logistik zu betreiben (Quelle: Miebach Logistik, Outsourcing 2004) sind:

  • Kostenreduktion
  • Nutzung von Synergieeffekten
  • Vermeidung von Investitionen
  • Erhöhung der Flexibilität.
Dabei ist zu erkennen, dass zwar wie erwartet die Reduktion der Kosten die Hauptrolle übernimmt, jedoch eine Vermeidung von Investitionen und Erhöhung der Flexibilität eine fast ebenso wichtige Rolle spielen. Alle drei Aspekte spielen in die Kostensenkung mit ein, wenn man bedenkt, dass die Erhöhung der Flexibilität als eine „verbesserte Leistung bei gleichen Kosten interpretiert werden kann“ . Christoph Engelbrecht geht in seinem Buch „Logistikoptimierung durch Outsourcing“ noch einen Schritt weiter und teilt das Thema Kostenreduktion erneut auf in „Variabilisierung der Fixkosten“ und „Spitzenausgleich bei Kapazitätsschwankungen“ 3.

Ressourcen nach außen zu verlagern, hat für Unternehmen zudem noch folgende Vorteile:
  • Koordinierung und Abwicklung übernimmt der Contractor
  • Einsatz effektiverer und effizienterer Technik und Methoden
  • Regelmäßige Wartung und Instandhaltung der Anlage
Nach Dieter Arnold, Autor des Buches „Intralogistik: Potentiale, Perspektiven und Prognosen“ hilft Outsourcing Unternehmen dabei mittel- und langfristige Qualität und Liefertreue zu erhöhen. Zudem wären „spezialisierte Dienstleister eher in der Lage Innovationen […] umzusetzen“ (D. Arnold, 2007).

Outsourcing in der Intralogistik

Wie man IT-Dienste, Marketing oder Arbeitskraft von außen zukauft, das ist bekannt und nachvollziehbar. Doch wie funktioniert das im B2B-Bereich mit Energie?
Betrachten wir das Outsourcen von Energie.

Der Contractingnehmer benötigt eine gewisse Menge Energie, für die er keine Investitionen tätigen, keine Servicekräfte schulen oder neue Mitarbeiter anstellen möchte. Wir gehen also davon aus, dass der Kunde diese Energie nicht einfach aus der Steckdose bekommt (denn dann benötigt er ja kein Outsourcing mehr). Wenn wir von Energie sprechen, dann ist damit Antriebsenergie gemeint, die im Produktionsprozess/Logistikprozess zwar genutzt wird.

In diesem Artikel liegt unser Fokus insbesondere auf der Nutzung von Flurförderfahrzeugen. Elektrisch betriebene Flurförderzeugen werden durch Akkumulatoren mit Energie versorgt. Die Anzahl der benötigten Batterien und zugehörigen Ladegeräte hängt von der Auslastung und Intensivität der Nutzung durch den Kunden ab. Darauf aufbauend ist auch die Größe der Ladestation und der zeitliche Umfang der nötigen Service- und Wartungsarbeiten zu berechnen.
Durch diese Informationen, die der Dienstleister gemeinsam mit dem Kunden aufbereitet, kann ein Gesamtbedarf ermittelt und außerdem der Verbrauch von Antriebsenergie in einem durchschnittlichen Monat kalkuliert werden. Diese Kennzahlen nutzt der Dienstleister anschließend um einen variablen Preis pro Verbrauchseinheit festzulegen, mit welchem zukünftig die monatlichen Abrechnungen erstellt werden: Euro/kAh.

Dabei existieren verschiedene Pakete um dem Kunden eine größtmögliche Flexibilität anbieten und auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen zu können. Das Basispaket besteht dabei aus der Zurverfügungstellung von Batterien und Ladegeräten, sowie der regelmäßigen Wartung und Kleinreparaturen an diesem Equipment. Darauf aufbauend sind Optionen wählbar: Regelmäßiges Wasserauffüllen, Batteriewechsel an der Ladestation, Full-Service oder auch Beratungsdienstleistungen zur Effizienzsteigerung.


Und wie läuft das Ganze ab?

Jedes Contracting Projekt ist einzigartig und hat seine eigenen Herausforderungen. Damit diese Herausforderungen optimal gemeistert werden können, existieren bei den dienstleistenden Unternehmen speziell für diese Projekte geschulte Experten.
Die Experten bereiten mit dem Kunden die Datenaufnahme vor und führen sie durch, sodass im Anschluss eine grobe Planung und ein erstes Angebot erstellt werden können. Da der Kunde so einen ersten Überblick über die für ihn entstehenden Kosten hat, gilt dies als wichtiger Schritt zur Anbahnung einer Geschäftsbeziehung. Bei grundsätzlichem Übereinstimmen können im nächsten Schritt die Planung konkretisiert und der Vertrag erstellt werden.

Nach der Implementierung der Lösung misst der Dienstleister auf monatlicher Basis die eingespeicherte Energie und berechnet dem Kunden anhand dieser Information und dem vorab vereinbarten Preis pro Kiloamperestunde den monatlichen Rechnungsbetrag.

Sollte dabei festgestellt werden, dass zu viel oder nicht ausreichend Equipment zur Verfügung steht, so reagiert der Dienstleister innerhalb von 72h und gleicht den Vorrat aus. Durch stetiges Monitoring und Auswerten von Kennzahlen treten solche Fälle allerdings selten auf, da bereits vorausschauend auf Schwankungen der benötigten Antriebsenergie reagiert werden kann.
Durch Outsourcing von Antriebsenergie zum Betreiben der Flurförderzeug- entstehen dem Kunden handfeste Vorteile. Die Übernahme der Verantwortung durch den Dienstleister entlastet den Kunden und die Arbeitszeit der Mitarbeiter kann für andere Aufgaben verwendet werden. Eine Fokussierung auf das Kerngeschäft ist das Resultat.
Gleichzeitig erhöht der Dienstleister durch Anwendung seines Expertenwissens und seiner Verfügbarkeitsgarantie die Effizienz des Kunden. Die sichere und doch flexible Versorgung mit Batterien und Ladegeräten ist ebenfalls gewährleistet. Da der Kunde jegliches Equipment im Rahmen des Contracting durch den Dienstleister zur Verfügung gestellt bekommt und nicht durch eigene Investment erwerben muss, werden so nicht nur die Kosten auf die gesamte Vertragslaufzeit verteilt anstatt einmalig anzufallen. Auch Kennzahlen wie die Gesamtkapitalrentabilität werden erhöht, da keinerlei Batterien und Ladegeräte bilanziert werden. Sollten bereits Batterien und Ladegeräte beim Contractingnehmer vorhanden sein, können diese durch Einmal- oder Ausgleichszahlungen durch den Contractor übernommen werden. Dafür ist es notwendig, dass der Contractingnehmer zuvor Eigentümer der Batterien und Ladegeräte gewesen ist.


Fazit

Das Thema Outsourcing in Bezug auf Energie in der Industrie und im Gewerbe ist zu Beginn der Recherchen häufig unübersichtlich und sehr komplex.
Wer sich erstmalig mit dem Thema auseinander setzt landet unweigerlich bei der DIN-Norm und setzt sich mit den Begriffen und Arten von Contracting auseinander. Danach wird das Thema zwar verständlicher, kann jedoch meistens nicht ohne externe Beratung umgesetzt werden.

Um dieser Komplexität ein wenig Struktur zu verleihen, finden sich zum Ende dieses Artikels Vor- und Nachteile für den Kunden/Contractingnehmer aufgelistet.

VorteileNachteile
Konzentration auf das KerngeschäftUnterschiedliche Unternehmenskulturen
Rasche Verfügbarkeit von KapazitätenUnrealistische Aussagen der Anbieter
Kostenreduktion im laufenden BetriebMangelnde Flexibilität der Verträge
Bei entsprechender Vertragsgestaltung variable statt fixe KostenPersonalwiderstände
Auswirkungen auf Jahresabschluss und SteuerbelastungenMangelnde Akzeptanz in Fachbereichen wegen fehlender Anwendernähe
Erhöhung der Betriebssicherheit 
Präzise Leistungsverrechnung 
Gute Planbarkeit und Transparenz 
Zugang zu Expertenwissen 

Wir hoffen für Sie ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben, sodass Sie sich mit Begeisterung dem Thema Contracting widmen können!


Quellen:

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